Aussenpolitik

In Harvard fordert Frieden Europa auf, die USA nicht länger als gegeben hinzunehmen


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The European Parliament building in Brussels with the EU flag.
In Harvard fordert Frieden Europa auf, die USA nicht länger als gegeben hinzunehmenPhoto: Nardos Berehe / Pexels

Am 11. Februar 2026 sprach Luxemburgs Premierminister Luc Frieden am Minda de Gunzburg Center for European Studies in Harvard und hielt eine Rede, die seither in allen europäischen Hauptstädten zitiert wird. Moderiert vom Harvard-Regierungsprofessor Daniel Ziblatt, bot das Forum des Institute of Politics Frieden ein transatlantisches Publikum für eine Botschaft, die auf Europa gemünzt war.

„Unsere Abhängigkeit verringern"

Der Schlagsatz kam früh: „Es geht nicht darum, unsere Bande zu den Vereinigten Staaten abzuschneiden. Es geht darum, eine bewusste Entscheidung zu treffen und unsere Abhängigkeit zu verringern." Frieden vermied bewusst, das Argument antiamerikanisch zu rahmen. Stattdessen positionierte er europäische Autonomie als Funktion europäischer Ernsthaftigkeit: „Als Europäerinnen und Europäer müssen wir stärker und unabhängiger sein als in der Vergangenheit."

Verteidigung an einem Wendepunkt

Der Premier beschrieb den jetzigen Moment als kritischen Wendepunkt — geprägt von geopolitischer Instabilität und neuen Sicherheitsbedrohungen. Er verwies auf die durch erneute Aussagen der Trump-Administration zu Grönland geweckten Sorgen sowie auf breitere Fragen zur Arktis-Sicherheit. Für ein Land, das gerade einen steuerbefreiten Defence Bond aufgelegt hat, fügt sich die Botschaft sauber in die innenpolitische Linie ein.

Kapitalmarktunion — diesmal ernsthaft

Beim Wirtschaftsdossier war Frieden vielleicht am pointiertesten. „Ein einheitlicher europäischer Kapitalmarkt muss endlich Realität werden", sagte er, „durch einen anderen Investitionsansatz — europäisches Geld für europäischen Erfolg." Aus dem Mund des Premierministers der grössten Investmentfondsjurisdiktion der EU war die Aussage ebenso Industriepolitik wie Rhetorik.

Energie als ursprünglicher Weckruf

Russlands Invasion der Ukraine 2022, so Frieden, war der Wendepunkt, der Europa zwang, seine Energieabhängigkeiten zu konfrontieren — und er sollte als Vorlage für dieselbe Diskussion bei Verteidigung und Technologie dienen. Der Kontinent verfüge, so Frieden, über Kapital, Know-how und Institutionen; was fehle, sei der politische Wille, sie im Verbund einzusetzen.

Warum es sitzt

Aus Berlin oder Paris käme dieselbe Rede als Positionierung daher. Aus Luxemburg — klein, AAA-bewertet, tief integriert in US-Kapital- und Nachrichtendienstnetzwerke — hat sie ein anderes Gewicht. Frieden argumentiert, dass europäische strategische Autonomie nicht länger das Projekt der grössten Mitgliedstaaten ist; sie ist Konsens — selbst unter denjenigen, die bei einem transatlantischen Bruch am meisten zu verlieren haben.

Hat Frieden zum Bruch mit den USA aufgerufen?
Nein. Er sagte ausdrücklich, das Ziel sei, die Abhängigkeit zu verringern, nicht die Bande zu den Vereinigten Staaten abzuschneiden.
Wo und wann sprach er?
Am Minda de Gunzburg Center for European Studies in Harvard am 11. Februar 2026, in einem von Professor Daniel Ziblatt moderierten Forum.
Was sagte er zu Kapitalmärkten?
Er argumentierte, eine echte Kapitalmarktunion müsse endlich geliefert werden, damit europäische Ersparnisse europäischen Erfolg finanzieren.

Mehr dazu: Foreign Policy, European Union, Defence, Transatlantic

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